Wenn die Ersatzbank plötzlich zum Lieblingsplatz wird
Am 19. Juni fand in der Konrad-Adenauer-Halle das Sommerfest der mC- und gD-Jugend des TB Pforzheim statt. Allerdings stand dieses Mal nicht nur Zuschauen, Essen und Trinken auf dem Programm. Die Idee war vielmehr, einmal aus nächster Nähe zu erleben, wie gut unsere Kinder eigentlich wirklich sind. Und was eignet sich dafür besser, als selbst gegen sie anzutreten?
Also hieß es: C-Jugend gegen Eltern und D-Jugend gegen Eltern.
Schon beim Aufwärmen wurde deutlich, dass die Voraussetzungen nicht ganz identisch waren. Während die Jugendlichen locker ihre Runden drehten, konnte man bei einigen Erwachsenen den Eindruck gewinnen, dass noch nicht alle Knochen vollständig eingehängt waren und die letzte sportliche Höchstleistung möglicherweise schon etwas länger zurücklag. Spätestens jetzt wurde klar, dass ein Handballspiel gegen die eigene Jugendmannschaft doch etwas anderes ist, als samstags die 100 Quadratmeter Rasen im heimischen Garten zu mähen. Die Anforderungen würden an diesem Abend offensichtlich etwas höher ausfallen.
Der Spielverlauf war bei beiden Begegnungen nahezu identisch. Sowohl die Eltern der C-Jugend als auch die Eltern der D-Jugend konnten sich zunächst Vorteile erspielen und sogar mit einer Führung in die Halbzeitpause gehen. Doch wie so oft im Sport gilt: Je länger ein Spiel dauert, desto häufiger setzt sich Qualität durch. Genau das war auch an diesem Abend zu beobachten. Die Jugendlichen blieben ruhig, spielten ihr Spiel konsequent weiter und drehten beide Partien im Laufe der zweiten Halbzeit zu ihren Gunsten.
Gleichzeitig wurde den Eltern auf dem Feld eindrucksvoll vor Augen geführt, wie schnell, technisch stark und spielerisch entwickelt ihre Kinder inzwischen sind. Von der Tribüne aus sieht manches eben deutlich einfacher aus.
Besonders interessant war die Entwicklung auf den Ersatzbänken. Während die Jugendlichen es kaum erwarten konnten, wieder eingewechselt zu werden, wurden die Plätze auf der Bank bei den Erwachsenen mit jeder Minute begehrter. Hätte man Handtücher mitbringen dürfen, wären diese vermutlich spätestens zur zweiten Halbzeit wie morgens um sieben Uhr am Mallorca-Pool auf sämtlichen Bankplätzen verteilt gewesen. Wer einmal einen Sitzplatz ergattert hatte, gab ihn nur äußerst ungern wieder her. Teilweise waren schon erhebliche Überredungskünste erforderlich, um die eine oder den anderen wieder zurück aufs Spielfeld zu bewegen.
Das Ergebnis war am Ende jedoch völlig nebensächlich. Viel wichtiger war die tolle Stimmung. Trotz allen Ehrgeizes hatten alle Beteiligten jederzeit ein Lächeln im Gesicht, und viele Eltern waren sichtbar stolz darauf, einmal hautnah erleben zu dürfen, wie gut ihre Kinder inzwischen Handball spielen.
Nach den Spielen ging es gemeinsam ins Vereinsheim, wo bereits Pizza und kühle Getränke warteten. Und hier zeigte sich dann die Erfahrung und der Weitblick der Erwachsenen. Die letzten Kraftreserven wurden offenbar äußerst clever eingeteilt. Vielleicht wurde der ein oder andere Tempo-Gegenstoß am Ende nicht mehr mit letzter Konsequenz verfolgt – dafür reichte die Energie aber noch problemlos für den Weg zum Kühlschrank, um ein kühles Bier oder eine Fanta zur Pizza zu organisieren. Prioritäten muss man schließlich setzen.
Ein rundum gelungener Abend mit viel Spaß, tollen Begegnungen und der Erkenntnis, dass unsere Jugendlichen richtig guten Handball spielen. Und die Eltern? Nun ja, in einem wohlwollenden Arbeitszeugnis würde vermutlich stehen: Sie waren stets bemüht. 😉






